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Zoroastrismus



Der Zoroastrismus bzw. Zarathustrismus (auch: Mazdaismus oder Parsismus) ist eine wohl zwischen 1800 v.u.Z. und 600 v. u.Z.. vermutlich in Baktrien im östlichen Iranischen Hochland, dem heutigen Afghanistan, entstandene, sich etwa im siebten bis vierten Jahrhundert v.u.Z. im iranischen Kulturraum (in Persien und im zentralasiatischen Raum) ausgebreitet. (wiki)

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Während der Zervanismus eine Form des Zoroastrismus war, die vorwiegend zur Zeit der Sassaniden existent war, ist der Mazdaismus fast wie ein Synonym für den Zoroastrismus.

Zarathustra lebte wohl um 1000 v..Z. im östlichen Iran. Er verurteilte das Tieropfer und den Genuss von haoma (sanskrit: Soma), welche das kulturelle Leben seiner Umwelt bestimmten. Zudem verlangte er eine Änderung des bestehenden Pantheons, womit dieser dann monotheistisch-dualistisch wurde.

Die Hauptquelle ist die heilige Schrift Avesta, die sich wie folgt zusammen stellt:
– Yasna (Opfer, ältester Text)
– Yasht (Hymnen an die Gottheit)
– Vendidad (Reinheitsvorschriften)
– Vispered (Kultbeschreibung)
– Nyayishu und Gah (Gebete)
– Khorda (kleines oder tägliches Gebet)
– Hadhokht Nask (Buch der Schriften)
– Aogemadaecha („Wir nehmen hin“, Anweisungen für´s Jenseits)
– Nirangistan (Kultvorschriften)

Neben den avestischen Quellen sind zudem die Schriften in Pehlevissprache (Mitteliranisch) wichtig:
– Zand (Auslegung der Avesta)
– Bundehesh (Genesis)
– Denkard (Sammlung und Anleitung zur Religion)
– sowie weitere Priesterquellen mit Weisheiten usw.

Ahura Mazda ist höchster Gott und Schöpfer der Gegensätze (Yasna 44.3-5)
Seine Zwillingssöhne sind:
– Spenta Mainyu (wohltätiger Geist) und
– Angra Mainyu (verneinender Geist, später „Ahriman“ genannt)

Die metaphysischen Wesen entscheiden sich zwischen asha (Ordnung der Wahrheit) und druj (Lüge)

Vor Zarathustras Reformation gehörten die göttlichen Wesen zwei Klassen an, die beide gut und bejahend waren:
– ahuras („Herren“, sanskrit: asuras)
– daivas („Götter“, sanskrit: devas)

Durch Zarathustra wurden die ahuras zu Göttern, die sich für asha entscheiden und die daivas wurden zu Dämonen, die sich für druj entscheiden.

Die Vermittler zwischen wohltuendem Geist und Menschheit stellen die sieben Amesha Spentas („wohltuende Unsterbliche“) dar:
– Vohu Manah (gute Gesinnung)
– Asha Vahishta (vollkommene Wahrheit)
– Khshathra Vairyia (gewünschte Herrschaft)
– Spenta Armaiti (wohltuende Ergebung)
– Haurvatat (Erfüllung)
– Ameretat (Unsterblichkeit)

Diese 7 wohltuenden Geister sind das Gefolge von Ahura Mazda und stellen die Tugenden der Menschen dar, welche die Ordnung der Wahrheit asha einhalten.

Die avestischen Priester (später Meder („Magier“) unterzogen jedoch die Reformationen Zarathustras einer Reinterpretation, welche die vorzoroastrischen Gebräuche wieder aufleben lies. Zudem verwandelten sie die Amesha Spenta in Gottheiten (yazatas), setzten alte Gottheiten wie Mithra wieder ein und machten andere Gottheiten wie Indra zu Dämonen. Im Pantheon führte Mithra zusammen mit Sraosha und Rashnu den Vorsitz im Seelengericht nach dem Tod.



Zervanismus

Unter den Sassaniden (3. Jhr., Persien) findet eine religiöse Renaissance statt.

Zervan (ein androgynes Wesen) existiert vor allen Dingen und wünscht sich einen Sohn, für den es 1000 Jahre lang Opfer darbringt, bis ihm eines Tages Zweifel aufkommen. In diesem Augenblick entstehen zwei Söhne:
Ohrmasd, Kraft des Opfers und Ahriman, Kraft des Zweifels
Zervan gelobt, den ersten der beiden, der zu ihm gelangt, zum König zu machen.
Ahriman schafft es als Erster und obwohl Zervan ihn nicht als Sohn (an-)erkennen will, ist er an sein Gelübde gebunden, Ahriman zum König zu machen. Allerdings nur für 9000 Jahre, danach soll Ohrmasd herrschen.
Beide nun schufen die Welt – alles was Ohmasd schuf, war gut und redlich; alles was Ahriman schuf, war schlecht und krumm.

In einem anderen Mythos kennt Ahriman das Schöpfungsgeheimnis, Lichtteilchen herzustellen und der Welt das Licht zu bringen.



Mazdaismus

Die mazdaische Genese (Bundehesh) besteht aus menok (geistiger Zustand), welcher der Keim des getik (physischer Zustand) ist. Es zeichne sich durch gumecishn(Mischung) aus, die durch das Wirken von Ahriman (böser Geist) hervorgerufen wird. Dieser tötet den Stier und den Urmensch (Gaw-i-ew-dad und Gayomard), aus deren Samen jedoch die guten Tiere und das erste Menschenpaar Mashya und Mashyanag hervorgingen.



Eschatologie

Der Zustand gumecishn soll eigentlich mit der Trennung (wisarishu) der Schöpfung beider Geister enden. Die Vergangenheit des Kosmos wird durch Gayomard und dessen Tod bestimmt, die Gegenwart durch die Botschaft Zarathustras und die Zukunft durch die Erlöser (Soshans oder Saoshyant).

Laut Bundesesh besteht das Universum zu 4 x 3000 Jahre (also 12.000).
In den ersten 300 Jahren erschafft Ohrmasd die Welt im Zustand menok und Ahriman beginnt sein zerstörerisches Wirken. Die nächsten 9000 Jahre soll Waffenstillstand herrschen, doch nach 3000 Jahren greift Ahriman die von Ohrmasd geschaffene (gute) Welt an. Ohrmasd erschafft daraufhin fravashi, die Seele des Zarathustra. Nach weiteren 3000 Jahren dann offenbart(e) sich der Prophet. Die restlichen 3000 Jahre stehen unter der Herrschaft der drei Soshans (Söhne Zarathustras).

Das Ende der Welt wird gekennzeichnet durch die Reinigung des Feuers und durch die Verklärung des Lebens. Ein Feuersturm wird die Guten von den Bösen trennen. Die Toten werden in unzerstörbaren Körpern auferstehen, nachdem der Erlöser ein Opfer darbringt. Dieser Erlöser wird aus dem Samen Zarathustras, der in einem See lagert, geboren werden.

Drei Tage nach der Loslösung vom Körper erreicht die Seele die Tschinvatbrücke, wo ihr in Gestalt der 15-jährigen Jungfrau Daena die Verwirklichung der guten Religion erscheint, sofern die Seele ein guter Mazdaist war. Sofern er aber böse war, erscheint eine entsetzliche Megäre. Die Guten gehen dann über die Brücke in das Königreich des unsterblichen Lichts (Anagra rasha), während die Bösen in der Hölle landen. Die „Lauen“, die weder gut noch böse waren, kommen ins Fegefeuer Hamastagan.

Quelle: Handbuch der Religionen – Mircea Eliade und Ioan P. Culinu













Der Zoroastrismus bzw. Zarathustrismus (auch: Mazdaismus oder Parsismus) ist eine wohl zwischen 1800 v. Chr. und 600 v. Chr. vermutlich im Baktrien (das heutige Balkh im persischen Khorasan im Mittelalter und im heutigen Afghanistan) entstandene, monotheistische (zumindest in ihren frühen Ausprägungen aber auch dualistische) Religion mit heute etwa 120.000–150.000 Anhängern, die ursprünglich im iranischen Raum verbreitet war. Die Anhänger des Zoroastrismus werden Zoroastrier oder Zarathustrier genannt, die Anhängerschaft im heutigen Indien bezeichnet man auch als Parsen. Der Religionsstifter war Zarathustra (griech.: Zoroaster), über dessen Datierung in der Forschung bis heute Uneinigkeit herrscht. Im Zentrum des auf ihn zurückgeführten Glaubens, der aber auf ältere iranische Kulte zurückgeht, steht der Schöpfergott Ahura Mazda/Ohrmazd (daher manchmal auch „Mazdaismus“). Er wird begleitet von unsterblichen Heiligen (Amesha Spenta) sowie von seinem Widersacher, dem bösen Dämon Angra Mainyu (Ahriman). Obwohl die Zoroastrier mehrere Gottheiten (z. B.: Anahita oder Mithra) kennen, die Ahura Mazda unterstützen, ist die Religion grundsätzlich vom Dualismus zwischen Ahura Mazda und Ahriman geprägt: „Und im Anbeginn waren diese beiden Geister, die Zwillinge, die nach ihrem eigenen Worte das Gute und das Böse im Denken, Reden und Tun heißen. Zwischen ihnen haben die Guthandelnden richtig gewählt.“ In der Spätantike war unter den Sassaniden die zurvanistische Variante des Zoroastrismus weit verbreitet, in der der gute und der böse Geist als die Kinder der „unendlichen Zeit“ (Zurvan/Zervan, Neupersisch Zaman) galten. Der Zoroastrismus, dessen Anhänger schon im Koran (Sure 22, Vers 17) genannt sind, ist nach der islamischen Gesetzeslehre eine „Buchreligion“ und basiert auf der heiligen Schrift Avesta. Gottesbilder sind dem Zoroastrismus fremd. Er kennt allerdings Feuertempel, in denen eine heilige Flamme gehütet wird, die als Symbol der Gottheit gilt.

Lehre
Die zuverlässigste Quelle für unsere Kenntnis der Lehren Zarathustras ist die in der Avesta (auch Zendavesta), dem religiösen Buch der Zoroastrier, enthaltene Sammlung der Gathas oder Lieder, welche entweder von Zarathustra selbst oder von seinen Jüngern verfasst sind. Es bestand ursprünglich aus 21 Büchern. Als Yasna bezeichnet man die überlieferten 72 Kapitel des Avesta (die heute noch bei den Zarathustriern im Gottesdienst verwendet werden), wobei sich 16 Kapitel, die Gathas (Gesänge), wohl direkt auf Zarathustra zurückführen lassen.

Hiernach ist Gott, welcher die Welt geschaffen hat und erhält, welcher der Anfang und das Ende ist, Ahura Mazda (der Weise Herr). Von Ihm gehen sechs gute Geister (Erzengel) aus, die späteren Amschaspands („Unsterbliche Heilige“), welche Tugend, Wahrhaftigkeit bzw. Heiligkeit, gute Gesinnung, Demut bzw. Weisheit, Herrschaft bzw. Besitz, Gesundheit und Langlebigkeit bzw. Unsterblichkeit heißen. Sie sind reine Allegorien und werden oft, besonders die beiden letzten, als Güter angerufen, welche Ahura Mazda gebeten wird, den Frommen zu verleihen.

Ahura Mazda wird Angra Mainyu (später Ahreman im Mittelpersischen und Ahriman im Neupersischen), d. h. der böse Geist, gegenübergestellt (vgl.: Teufel!), der ihm in Gedanken, Worten und Werken entgegengesetzt ist. Die beiden zusammen werden als die „Zwillinge“ dargestellt, welche das Gute und Böse erschaffen haben, und es treten den sechs guten Geistern ebenso viele böse, von Angra Mainyu geschaffene gegenüber, von denen jedoch nur die „Lüge“ und die „böse Gesinnung“ bereits in den Gäthas erscheinen, während die übrigen erst ein Produkt der späteren Ausbildung der Zoroastrischen Lehre sind.

In der Menschenwelt stehen sich ebenso schroff Menschen, die sich für das Gute entschieden haben, die Frommen oder Gläubigen, und die Götzendiener gegenüber, die sich für das Böse entschieden haben. Letztere werden auch als „Blinde und Taube“ bezeichnet. Der Fromme, der auf den Pfaden der Wahrhaftigkeit (Asha) und der Weisheit wandelt, erlangt in diesem Leben Reichtum, Nachkommenschaft und Macht, Gesundheit und langes Leben. Nach dem Tod gelangen die Seelen an die invat-Brücke. Hier wird Gericht über Gute und Böse gehalten (siehe auch: jüngstes Gericht der Offenbarung des Johannes!). Für den rechtschaffenen Menschen ist die Brücke breit wie ein Pfad, für den anderen schmal wie eine Messerklinge. Die Guten gelangen in die seligen Gefilde des Paradieses Garodemäna (später Garotman), des „Orts der Lobgesänge“ (siehe auch: Himmel); die Seele des Bösen aber gelangt an den „schlechtesten Ort“, das heißt in die Hölle. Parallelen zur späteren christlichen Lehre vom Jüngsten Gericht und zur Eschatologie im Islam sind unverkennbar.

Der Kampf zwischen Gut und Böse dauert vier Perioden zu jeweils 3000 Jahren. Das Reich des Ahura Mazdas steht am Ende des Kampfes. Ein Weltgericht wird stattfinden, das die Bösen bestrafen und die Guten belohnen wird. Und dereinst, wenn die Welt untergeht, wird das Jüngste Gericht stattfinden, der böse Geist verschwinden und ein neues, ewiges Reich des Ahura Mazdas entstehen. Grundlagen dieser Vorstellungen lassen sich schon in der Urzeit nachweisen, als die Iranier mit den stammverwandten Indern noch ein einziges Volk bildeten, so namentlich die Namen der sechs guten Geister, der Name der Lüge (im Zendavesta Drudsch, in den Wedas der Inder Druh, das deutsche Trug) etc.

Ahura Mazda entspricht dem Wesen nach dem indischen Varuna und wird mancherorts als ein Reflex des Himmelsgottes verstanden, der schon von den Indoeuropäern verehrt wurde. Auch der Kampf zwischen den guten Mächten des Lichts und den bösen der Finsternis und der Trockenheit ist eine uralte Vorstellung. Er wurde im Iran potenziert, indem die letzteren unter ein Oberhaupt gestellt und dieses mit einem ähnlichen Hofstaat wie das Oberhaupt der guten Schöpfung umgeben wurde.

Als tragende Achse der zoroastrischen Ethik erscheint die Wahrheit, deren hohe Bedeutung uns in den Gathas unter anderem in den besonders häufigen und bittenden Anrufungen durch die Person Zarathustras begegnet.

Andere Gottheiten oder Dämonen von Vorgängerreligionen fanden in der spiritualistischen und von philosophischen Tendenzen getragenen Lehre Zarathustras keinen Platz, so:

* der Sonnengott Mithra, der in der Urzeit der unzertrennliche Genosse des Himmelsgottes gewesen war;
* der Gott Haoma (Soma), die Personifikation des Trankes, welcher den Göttern im Opfer dargebracht wurde, um sich damit zu berauschen;
* die Fravashi oder Seelen der Abgestorbenen, deren uralter Gottesdienst sich auch bei den Römern in den bekannten Kultes der Manen noch erhalten hat;
* die Wolkenschlange Aschi (Ahi), welche von dem Gotte des Lichts mit seiner Blitzwaffe gezwungen wird, das befruchtende Wasser des Regens, das sie entführt hat, zurückzugeben.

Diese und andere sinnlich-realistische Gottheiten der Urzeit machten jedoch ihre Rechte wieder geltend in dem späteren Zoroastrismus, wie er in den jüngeren Teilen des Zendavesta und den Angaben der Griechen über die Religion der Iranier vorliegt, indem die Priesterschaft es vorteilhaft fand, dem mit den ererbten derberen Vorstellungen angefüllten Volksgeist zu schmeicheln.

Auch Personifikationen der reinen Elemente, vor allen des Feuers, das in verschiedenen Formen verehrt wird, und des Wassers, das sich in der später mit der vorderasiatischen Mylitta vermischten Ardvisura Anahita verkörpert, spielen in dem reichbevölkerten Götterhimmel des späteren Zoroastrismus eine hervorragende Rolle. Wegen ihrer Verehrung des Feuers war sie in der griechischen Welt (Herodot) als „Feueranbeter“ bekannt.

Kaum minder zahlreich sind die bösen Geister, welche Daeva, Drudsch, Pairikas (Peri) genannt und teils als Unholdinnen gedacht wurden, die mit bösen Menschen in fleischlichem Verkehr stehen und die Guten zu verführen trachten, teils als tückische Dämonen, welche Trockenheit, Misswuchs, Seuchen und andere Plagen über die Welt verhängen.

Eine systematisierende Richtung, welche in den Schulen der Priester aufkam, führte zu einer vollkommenen Verteilung der Schöpfung bis auf die Tiere herab unter die beiden Oberhäupter der guten und der bösen Schöpfung. Daher gilt es für eine der wichtigsten Pflichten namentlich der Priester, die zu diesem Zweck mit einem besonderen Instrument versehen waren, die Tiere des bösen Geistes, Schlangen, Mäuse, Ameisen, zu vertilgen, während dagegen die absichtliche oder unabsichtliche Tötung von Tieren des guten Geistes, wie Biber, Hunde u. a., mit schweren Bußen gesühnt werden musste.

Die ganze Weltgeschichte besteht nach der Lehre der Parsen, von der schon Plutarch unterrichtet war, in einem großen Kampf zwischen Ahura Mazda und Anramainyu, der im ganzen 12.000 Jahre andauern soll.

Die Schöpfungsgeschichte des Zoroastrismus besagt, dass Ahura Mazda in den ersten 3000 Jahren durch einen lang herrschenden Windhauch zuerst den eiförmigen Himmel und daraufhin die Erde und die Pflanzen erschuf. In dem zweiten Zyklus von 3000 Jahren entstanden die Urtiere und danach der Urmensch. Dann ist der Einbruch des Anramainyu erfolgt, welcher den Urmenschen und den Urstier tötet und eine Periode des Kampfes eröffnet, die ihr Ende erst mit der Geburt des Zarathustra erreicht. Dieses Ereignis fällt in das 31. Jahr der Regierung des Königs Vistaspa. Und von da an werden wieder 3000 Jahre vergehen, bis der Heiland Saoschjant geboren wird, welcher die bösen Geister vernichten und eine neue, unvergängliche Welt herbeiführen wird; auch die Toten sollen dann auferstehen.

Statt des einen Messias werden an anderen Stellen deren drei genannt, wodurch sich also diese Lehre von der entsprechenden des Alten Testaments unterscheidet. Dagegen stimmt die Lehre von der Auferstehung sogar in Details mit der christlichen überein, so dass die Annahme einer Entlehnung der letzteren aus der Religion der den Hebräern benachbarten Zarathustristen eine nicht unbedeutende Wahrscheinlichkeit für sich hat (allerdings ist das Auferstehungsphänomen ein sehr altes religiöses Phänomen, welches sich u.a. auch in der altägyptischen Religion findet).

Entwicklung und Ausbreitung
In späteren Epochen des Zoroastrismus bildeten sich mehrere Abspaltungen, welche den Gegensatz zwischen Ahura Mazda und Ahriman in einer höheren Einheit aufzulösen suchten, indem sie als die gemeinsame Quelle beider die Zeit, das Schicksal, das Licht oder den Raum annahmen.

Die bekannteste darunter ist die bereits erwähnte Gruppe der Zurvaniten, deren Lehrmeinung, dass die unsterbliche Zeit (Zurvan) das Urprinzip der Dinge sei, im 5. Jahrhundert n. Chr unter König Yazdegerd I. (Iesdegerd) offenbar die dominierende Religion im neupersischen Sassanidenreich wurde; die „unermessliche Zeit“ (zrvan akerene) wird schon im Zendavesta angerufen. Der Zeitgott, Zervan oder Zurvan, wird als ein viergestaltiger Gott (Ahura Mazda, Güte, Religion und Zeit) dargestellt. Er steht über Gott und Teufel, die seine Söhne sind. Zurvan ist der unendliche Raum und die unendliche Zeit. Durch die Entstehung von Gott und dem Bösen wird das Licht von der Finsternis geschieden.

Belege für den weitreichenden Einfluss des Zoroastrismus auch auf die Religionen benachbarter Völker liefern der Mithraismus, der sich über Vorderasien zur Zeit des römischen Reichs bis ins Abendland verbreitete, und die Religion des Mani, der Manichäismus, der im 3. Jahrhundert n. Chr. aus einer Verschmelzung der Zoroastrischen mit christlichen und buddhistischen Lehren entstand und eine Zeitlang von China über Mittelasien bis nach Italien, Spanien und Südfrankreich verbreitet war.

Zarathustras Lehren sind über das Judentum (s. Babylonisches Exil) auch in das Christentum eingeflossen und in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen. Speziell die Begriffe Himmel und Hölle waren im Judentum vorher unbekannt; der Teufel als Gegenspieler Gottes geht vermutlich auf Ahriman zurück. Das Ausbreiten des Engel-Glaubens greift sicher auch auf Zoroaster zurück (Engelgestalten und der Glaube an sie finden sich bereits in den archaischen Hochkulturen, zum Beispiel in Babylonien, Assyrien etc.).

Der Zoroastrismus war, anders als in der älteren Forschung angenommen, höchstwahrscheinlich nicht die „Staatsreligion“ des alten Perserreichs der Achämeniden, welches durch Alexander den Großen vernichtet wurde. Vielmehr ist dessen Bedeutung in dieser Zeit unklar; manche Forscher glauben, dass die Achämeniden keine Zoroastrier waren, sondern Ahura Mazda in anderer Form verehrten. Anders als oft vermutet, scheint der Zoroastrismus dann unter den Parthern nicht eine unwichtigere, sondern im Gegenteil eine recht bedeutende Rolle gespielt zu haben. Im Sassanidenreich (3. bis 7. Jahrhundert n. Chr.) wurde die Religion dann zur wichtigsten (aber nicht zur einzig erlaubten) Religion und erlebte ihre höchste Blüte. Obwohl zeitweise die Anhänger anderer religiöser Gruppen, etwa Buddhisten, Christen, Juden und Manichäer verfolgt und ermordet wurden, wie die Inschriften des Mobeds Kartir belegen, nimmt die moderne Forschung heute zumeist an, dass hierfür eher politische als religiöse Motive den Ausschlag gaben. Mehrere Einzelheiten in Bezug auf den Zoroastrismus in sassanidischer Zeit sind jedoch umstritten. Der Umstand, dass die große Mehrheit der zoroastrischen Quellen erst nach dem Untergang des Reiches entstanden sind und daher vielleicht ein verzerrtes Bild zeichnen, erschwert gesicherte Aussagen.

Als bevorzugte Religion löste sich der Zoroastrismus in Folge der islamischen Eroberung des sassanidischen Reiches in den Jahren nach 636 langsam auf. Der Islam nahm als Religion beständig an Bedeutung zu, aber erst seit zirka 900 stellten die Moslems die Mehrheit im Iran. Viele iranische Feste bergen aber „insgeheim“ das zarathustrische Erbe in sich und werden noch heute im schiitischen Iran, teilweise in synkretischer Form, gefeiert. Das bedeutendste dieser Feste ist das „Frühlingsfest“ Nouruz, dessen Wurzeln noch weiter zurückreichen dürften.

Mit der Ausbreitung des Islams im Iran wurde der Zoroastrismus zunehmend unterdrückt, weshalb viele Zarathustrier vor ca. 1000 Jahren ins Ausland emigrierten, vor allem nach Indien, wo man ihnen den Namen Parsen (d. h.: Perser) gab. Vom Zoroastrismus trennten sich bereits in der Antike mehrere Seitenströmungen ab, darunter der Mithras-Kult, der sich, als Mysterienkult besonders unter den Soldaten, westwärts über das gesamte Römische Reich ausbreitete. Auch der Manichäismus begann als Reformbewegung innerhalb des Zoroastrismus. Wichtig waren daneben auch die Mazdakiten (um 500).

Dass der Zoroastrismus nicht nur das Judentum (das ihm unter anderem das Konzept des bösen Widersachers, des Teufels, entliehen haben dürfte) und daher mittelbar auch das Christentum, sondern zudem wohl auch den frühen Islam beeinflusst hat, gilt als sehr wahrscheinlich, lässt sich aber im Einzelnen schwierig nachweisen.

Es gibt heute weltweit etwa 120.000 Mitglieder der Religion des Zoroastrismus (auch Mazdaismus oder Parsismus genannt), die meisten in Indien. Die heutigen in Indien ansässigen Anhänger nennt man Parsen. Zur Zeit gibt es eine Bewegung in der Kommune, alle dem zarathustrischen Glauben Zugehörigen unter dem Begriff „Zarathustrier“ zu vereinen, um wieder geschlossener auftreten zu können.

Bekannt wurde Zarathustra in der modernen westlichen Welt vor allem durch Nietzsches Buch „Also sprach Zarathustra“ und Richard Strauss' gleichnamige sinfonische Dichtung, die aber kaum Bezug zum historischen Zarathustra hat.

Der heutige Zoroastrismus
Der heutige Zoroastrismus existiert in sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Dies liegt insbesondere an der sehr veränderten Situation der Anhänger. Die modernen Zoroastrier leben weit verstreut: zirka 65.000 leben in Indien, dort werden sie Parsen genannt. Im Iran leben heute nur noch zirka 20.000 (1975: 21.400). In den USA und Kanada leben etwa 18.000–25.000, in Pakistan maximal 5.000 sowie zerstreut in anderen westlichen Ländern. Insgesamt dürfte es heute 120.000–150.000 Zoroastrier geben.

Die besondere Ausprägung und Interpretation der Religion ist bei jeder der verschiedenen, geographisch von einander getrennten Gruppen unterschiedlich. Besonders hervorstechende Unterschiede gibt es zwischen dem indischen und dem iranischen Zoroastrismus.

In Indien wird, beeinflusst vom Hinduismus, der Glaube an die Existenz der Amesha Spentas sehr in den Vordergrund gerückt, wodurch der zoroastrische Glaube dort polytheistische Tendenzen bekommen hat. Rituale spielen eine große Rolle.

Im Iran hat sich der Zoroastrismus heute zu einer stark auf Innerlichkeit ausgerichteten, sehr rationalen, ethischen Philosophie entwickelt. Im Mittelpunkt steht der Glaube an einen guten, gerechten, allwissenden Gott Ahura Mazda. Diesem guten Gott wird gedient, indem man gut denkt, gut handelt und gut spricht.

Einen nicht unerheblichen Einfluss, gerade mit der Aufnahme Ahrimans in einen christlichen Zusammenhang, hat der Zoroastrismus auch auf die Anthroposophie, die Lehre von Rudolf Steiner.

Bekannte Zoroastrier
* Xerxes I. (pers.: Khashayarshah), ein persischer Großkönig aus der Dynastie der Achämeniden
* Schapur I., auch der Große genannt, ein persischer Großkönig aus der Dynastie der Sassaniden
* Freddie Mercury (Sänger der Rockband Queen)
* Zubin Mehta, ein indischer Dirigent
* Die Familie Tata, eine indische Unternehmerdynastie
* Alexander Bard, ein schwedischer Sänger, Autor und Schauspieler sowie konvertierter Zoroastrier
* Dadabhai Naoroji, ein indischer(/parsischer) Politiker, 1892 erstes aus Asien stammendes Mitglied des britischen Unterhauses
* Indische Freiheitskämpfer: Pherozeshah Mehta, Dadabhai Naoroji und Bhikaiji Cama
* Homi Jehangir Bhabha, ein indischer Nuklearforscher parsischer Abstammung
* Homi K. Bhabha, ein indischer, postkolonialer Theoretiker
* Feroze Gandhi aus der Nehru-Gandhi-Familie, Ehemann Indira Gandhis und Vater Rajiv Gandhis und Sanjay Gandhis
* Farhang Mehr, ein iranischer, ehemaliger stellvertretender Premierminister des Irans, heute: Professor in Boston
* Kasra Vafadari, ein iranischer, ehemaliger Präsident der Universität Teheran sowie Präsident der Gesellschaft iranischer Zoroastrier; er lehrte zuletzt an einem Lehrstuhl der Universität Paris und wurde am 16. Mai 2005 in Paris ermordet.

Mischreligion und Abkömmlinge
Neben den starken Einflüssen auf Judentum, Manichäismus, Christentum und Islam gibt es auch eine neue Abspaltung außerhalb der klassischen Richtungen des Zoroastrismus, den Mazdaznan. Mit dem Begriff Mazdaznan wird eine religiöse Lehre bezeichnet, die nach eigenem Verständnis auf einem reformierten Zoroastrismus basiert. Begründet wurde sie von Otoman Zar-Adusht Ha’nish, bürgerlich vermutlich Otto Hanisch, der selbst angab, am 19. Dezember 1844 in Teheran geboren zu sein; er starb am 29. Februar 1936 in Los Angeles). Es handelt sich um eine Mischreligion von zoroastrischen, christlichen und einigen hinduistischen/tantrischen Elementen.http://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus

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